CO2-Wirtschaft (kurz)

(Ausführlicher im Artikel Entwurf einer Ökonomie mit eingebauter Nachhaltigkeit)

Dass der Vorrat der natürlichen Ressourcen und die Belastbarkeit und Regenerationsfähigkeit der natürlichen Systeme begrenzt sind, und dass die expandierende Weltwirtschaft diese Grenzen längst überschritten hat, sehen heute die meisten Menschen, die über den Tellerrand ihrer privaten Bedürfnissbefriedigung hinausschauen. Woran sie verzweifeln, und worüber sie letzten Endes resignieren, ist die Frage, wie diese Einsicht für unser Alltagsverhalten wirksam gemacht werden kann.

In seinem Buch Ausstieg aus dem Crash (1999) geht Lothar Mayer davon aus, dass mit dem Geld der kapitalistischen Marktwirtschaft (z.B. mittels einer Ökosteuer) die notwendige Begrenzung nicht erreicht werden kann, weil das Wertschöpfungspotential dieses Geldes jeden Dämpfungeffekt spielend kompensiert oder überkompensiert. Er schlägt daher vor, dass der begrenzte Umweltraum, den jeder Mensch ungestraft nutzen kann, in ein persönliches Ressourcenbudget übersetzt wird, von dem bei jedem Kauf der von der Ware oder Dienstleistung verursachte Ressourcenverbrauch abgezogen wird. Als "Leitressource" schlägt er aus Gründen, die in seinem Buch ausführlich dargestellt werden, die Belastung der Produkte mit CO2-Emissionen vor.

Die CO2-Wirtschaft bindet den Naturverbrauch an ein begrenztes Budget von CO2-Emissionen. Damit wird ein operationaler und verifizierbarer Begriff von Nachhaltigkeit als Steuerungsinstrument in die Wirtschaft eingebaut. Unsere Nutzung von Ressourcen und Lebenserhaltungssystemen wird dann nicht bestimmt durch das, was wir durch menschliche Anstrengung, Pfiffigkeit und Kapital maximal in Bewegung setzen können, sondern was, im Sinne eines Budgets, maximal an realen Mitteln (Naturvermögen auf nachhaltiger Basis) zur Verfügung steht. Das persönliche CO2-Budget beträgt bei seiner Einführung 12 t CO2 pro Jahr und sinkt im Lauf der nächsten 40 Jahre auf die nachhaltig zulässigen 2 t CO2.

Mit dem Ressourcenbudget wird ein Feedback, ein Steuerungsmechanismus installiert, der die Knappheits- und Stresssignale, die irgendwann in massiver, lebensbedrohender Form von der Biosphäre kommen werden, in die Gegenwart verlegt und in der Gegenwart wirksam werden lässt, also in einer Zeit, in der wir noch nicht durch apokalyptische Zusammenbrüche handlungsunfähig geworden sind und noch unter günstigen sozialen Bedingungen mit Anpassungen unserer Verhaltensweisen reagieren können.

Mit dem Ressourcenbudget revolutioniert die CO2-Wirtschaft den natur- und menschenverachtenden Wirtschaftlichkeitsbegriff der kapitalistischen Marktwirtschaft. Wirtschaftlich ist nicht mehr, was Geld spart, sondern was das Naturvermögen schont. Wirtschaftlich ist nicht, wenn man mit möglichst wenig (Geld-)Ausgaben möglichst hohe (Geld-)Einnahmen macht, sondern wenn ein Bedürfnis unter möglichst geringem Einsatz von realen Ressourcen (Arbeitskraft, Rohstoffe, Syntropiepotential) befriedigt wird.

Das Konzept einer CO2-Wirtschaft bestimmt die Obergrenze der individuellen Entnahme aus dem als gemein anzusehenden Fonds der lebensnotwendigen Mittel und garantiert damit die Zugriffsmöglichkeit auf diese Mittel für die anderen.

Eine bounded economy (durch ein unvermehrbares Tauschmittel begrenzte Wirtschaft) verhindert, dass monetäre Wertschöpfung automatisch zu Ansprüchen an reale Ressourcen wird. Durch die strikte Trennung zwischen einer realen und einer imaginären Sphäre, dem Reich der sättigbaren und dem Reich der unsättigbaren Bedürfnisse, sorgt sie dafür, dass zwar Imaginäres mit imaginärem Geld (Papiergeld, funny money) gekauft und bezahlt werden kann, aber Reales mit realem Geld (Ressourcenguthaben) bezahlt werden muss. Dadurch, dass das Ressourcenguthaben über die Jahre auf ein nachhaltiges Niveau sinkt, wird die Überforderung der Lebenserhaltungssysteme zuverlässig zurückgefahren.

Die Ressourcenwährung als Steuerungsinstrument wirkt sich dahingehend aus, dass der reale Aufwand (d.h. an Naturvermögen) für die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen kontinuierlich vermindert wird. Diese Formulierung ist allerdings sprachlich noch der alten Wirtschaftsordnung verhaftet. Die grundlegend veränderte Situation wäre eher so zu beschreiben: Das höchste Ziel der Geldvermehrungswirtschaft, die maximale Produktion von Gütern und Dienstleistungen (= Wachstum des Sozialprodukts), verliert nicht nur seine Bedeutung, sondern stirbt einfach ab. Im realen Sektor der CO2-Wirtschaft hat die Kapitalverwertung ihren Reiz verloren; daher kann sich der Wirtschaftsprozess, unbehindert von aufgesetzten fremden Zwecken, auf die Befriedigung notwendiger und wichtiger Bedürfnisse mit minimalem Einsatz von Ressourcen konzentrieren.

(Ausführlicher im Artikel Entwurf einer Ökonomie mit eingebauter Nachhaltigkeit)