Wirtschaftlichkeit

ist das Verhältnis zwischen Ergebnis und Auf­wand, zwischen dem erzielten Erlös für ein Produkt und dem Aufwand für die dafür eingesetzten Produktionsmitteln. Dieses Maß bestimmt daher, welche Produkte überhaupt produziert (nämlich zu einem gegebenen Preis abgesetzt) werden können, und welche Produktionsmittel in welchen Verhältnissen eingesetzt werden - und zwar über den Preis.

Real wirtschaftlich ist, wenn ein Bedürfnis unter möglichst gerin­gem Einsatz von realen Ressourcen (Arbeitskraft, Rohstoffe, Naturkapital) befriedigt wird.
In einer Wirtschaft, in der sich Nachfrage nicht in (unkontrollierbar vermehrbarem) Geld, sondern in Ressourcenguthaben ausdrückt, wird dieses Prinzip in die Wirklichkeit umgesetzt.

In einer CO2-Wirtschaft werden Produkte nicht mehr nur im Hinblick auf den Preis miteinander verglichen, sondern auch (und jedes Jahr mehr) im Hinblick auf ihren CO2-Gehalt und ihren CO2-"Verbrauch" während ihrer Nutzung. Das bedeutet, dass das Wirtschaftlichkeitsgebot, nach dem sich der Ingenieur und der Kaufmann nach wie vor richten müssen, auf einer völlig neuen Grundlage steht. In der Produktentwicklung und Produktionsplanung zu minimieren sind nicht mehr nur die Kosten in Euro oder Dollar, sondern ebenso dringend, und im Lauf der Jahre immer dringender, die Kosten in CO2. Wenn jemand einen Kühlschrank kauft, wird er nicht mehr nur den Preis der verschiedenen Geräte vergleichen, die in Frage kommen, sondern ebenso die CO2-Menge, die ihm gleich an der Kasse abgebucht wird (sie könnte zwischen 150 und 200 kg liegen), sowie die CO2-Kosten, die ihm jährlich durch die Nutzung des Kühlschranks entstehen (zwischen 60 und 120 kg).

Für den Ingenieur dürfte die Umstellung des Wirtschaftlichkeitsbegriffes auf CO2 anstelle von Geld die geringste Schwierigkeit bedeuten. (Die Bewertungskriterien für die CO2-Rechnung werden ihm von den einschlägigen Instituten auf CD-ROM oder übers Internet geliefert). Für ihn war es schon immer selbstverständlich, wenn auch nicht vordringlich, den Einsatz von Ressourcen, von Energie und Rohstoffen oder Vormaterialien zu minimieren. In einer Geldwirtschaft muss dieses edle Streben allerdings im zweiten Glied stehen - entscheidend ist immer, was sich rechnet. Und wenn sich, aufgrund der verschrobenen Preisrelationen des Industriesystems, hoher Energie- und Materialeinsatz (z.B. durch niedrige Rohstoffkosten, extreme Arbeitsteilung, weltweites "Out-sourcing" und dementsprechend riesige Transportleistungen) besser rechnen als der Einsatz heimischer Arbeitskräfte, dann werden die Ingenieure in München oder Wolfsburg das nächste Modell so konstruieren, dass die Kotflügel, Motorblöcke und Rückspiegel in Ungarn, Thailand oder Indonesien gefertigt und in Irland mit einer Plattform aus USA zu einem Auto zusammengebaut werden.

Aber für den Entwicklungsingenieur, dessen vornehmste Aufgabe das Optimieren ist, wäre es zumindest gleichgültig, ob das Optimierungskriterium Geld oder CO2 ist; da Ingenieure jedoch keine Konstruktionsroboter sind, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass sie mit sehr viel größerem Engagement, mit sehr viel größerer Befriedigung ihre Produkte auf Energie- und Materialaufwand hin optimieren würden als auf den Aufwand von Geld.