Biokraftstoffe

Am Thema Biotreibstoff lässt sich sehr gut demonstrieren, wie einfach, direkt und durchschlagend ein persönliches CO2-Budget in einer so komplizierten Materie die Dinge in die richtige Richtung lenken (und schlimme bis katastrophale Fehlentwicklungen vorbeugend vermeiden) würde.

Es hat sich allmählich herumgesprochen, dass Biotreibstoffe gewiss ein hervorragender Beitrag zur CO2-Reduzierung sind, aber gleichzeitig einen ganzen Rattenschwanz von schädlichen Nebenwirkungen mit sich bringen (können)[1].

- Viele Pflanzenöle sind auf dem Weltmarkt billiger zu beziehen als Rapsöl aus europäischer Landwirtschaft. Diese Öle werden jedoch häufig unter niedrigen ökologischen und sozialen Standards produziert.

Staatl. Regulierung:

CO2-Budget

Bundesregierung plant, die Steuervorteile für Biokraftstoffe an den Nachweis zu koppeln, dass diese durch nachhaltige Bewirtschaftung erzeugt werden. Im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums lässt die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe daher derzeit einen konkreten Vorschlag für die Zertifizierung von Biokraftstoffen erarbeiten

Biokraftstoffe, die 1. unter nicht nachhaltigen Bedingungen erzeugt wurden und 2. lange CO2-belastete Transportwege hinter sich haben, haben keine Chance auf dem deutschen Markt.

- Riesige Regenwaldflächen Südostasiens müssen den Ölpalmenplantagen weichen.

Staatl. Regulierung:

CO2-Budget

Gesetz oder Verordnung gegen den Widerstand der Öl- und Automobilindustrie verabschieden, die den Import von Pflanzenölen verbietet oder steuerlich benachteiligt, wenn sie auf Flächen erzeugt werden, auf denen Regenwald gerodet wurde

Biokraftstoffe, die auf Flächen erzeugt wurden, die durch Rodung von Regenwald urbar gemacht wurden und 2. lange CO2-belastete Transportwege hinter sich haben, haben keine Chance auf dem deutschen Markt.

- Biokraftstoffe boomten auf Kosten natürlicher Ökosysteme und verdrängten die Nahrungsmittel der Bevölkerung von den landwirtschaftlichen Flächen

Staatl. Regulierung:

CO2-Budget (Plus)[2]

Gesetz oder Verordnung gegen den Widerstand der Öl- und Automobilindustrie verabschieden, die den Import von Pflanzenölen verbietet oder steuerlich benachteiligt, wenn sie auf Flächen erzeugt werden, auf denen vorher Nahrungsmittel erzeugt wurden

Biokraftstoffe, die 1. auf Flächen erzeugt wurden, auf denen vorher Nahrungsmittel erzeugt wurden und 2. lange CO2-belastete Transportwege hinter sich haben, haben keine Chance auf dem deutschen Markt.

- Vielerorts werden auch die Menschenrechte der indigenen Bevölkerung und der PlantagenarbeiterInnen verletzt.

Staatl. Regulierung:

CO2-Budget (Plus)

Gesetz oder Verordnung gegen den Widerstand der Öl- und Automobilindustrie verabschieden, die den Import von Pflanzenölen verbietet oder steuerlich benachteiligt, wenn sie unter Bedingungen erzeugt werden, die die Menschenrechte der indigenen Bevölkerung und der PlantagenarbeiterInnen verletzen

Biokraftstoffe, die 1. unter Bedingungen erzeugt werden, die die Menschenrechte verletzen und 2. lange CO2-belastete Transportwege hinter sich haben, haben keine Chance auf dem deutschen Markt.

- Der Biokraftstoffboom ist auch aus Sicht des Klimaschutzes vollends kontraproduktiv: Durch die Landnutzungsänderungen gelangt der Kohlenstoff, der zuvor in der Vegetation oder den Böden gebunden war, in die Atmosphäre. Besonders gravierend wirkt sich die Vernichtung der tropischen Moorwälder aus, die einen großen Teil der Regenwälder Südostasiens ausmachen. Sie wachsen auf bis zu 18 Meter dicken Torfschichten, die über Jahrtausende zu mächtigen Kohlenstoffspeichern angewachsen sind.
Ändert sich der Wasserhaushalt der Moore, können aus den Kohlenstoffsenken Kohlenstoffquellen werden, d.h. es werden große Mengen vorher gebundenen Kohlenstoffs freigesetzt. In zunehmendem Maße setzen großflächige Entwässerungsmaßnahmen diesen Prozess in Gang.

Staatl. Regulierung:

CO2-Budget

Gesetz oder Verordnung gegen den Widerstand der Treibstoff- und Automobilindustrie verabschieden, die den Import von Pflanzenölen verbietet oder steuerlich benachteiligt, wenn sie wenn sie auf Flächen erzeugt werden, die durch die Trockenlegung von Mooren urbar gemacht wurden.

Biokraftstoffe, die 1. auf Flächen erzeugt werden, die durch die Trockenlegung von Mooren urbar gemacht wurden und 2. lange CO2-belastete Transportwege hinter sich haben, haben keine Chance auf dem deutschen Markt.

Noch weit mehr CO2 setzen die trockengelegten Moore frei, wenn sie in Brand geraten. In den Jahren 1997 und 1998 gingen die Bilder von dichten Rauchwolken über großen Teilen Südostasiens um die Welt, nachdem das El-Niño-Phänomen zu besonders langen Trockenzeiten geführt hatte. Auch die Brände der letzten fünf Jahre waren katastrophal. Florian Siegert vom Geo-Bio-Center der Universität München, der seit einigen Jahren die Waldbrände Südostasiens beobachtet, macht menschliche Eingriffe für die Zunahme und Ausweitung der Feuer seit Beginn der 1980er-Jahre verantwortlich. Jeweils zwischen 1,5 und 2,2 Millionen Hektar Moorwälder gingen seinen Berechnungen zufolge bei den Bränden der letzten Jahre auf Kalimantan und Sumatra in Flammen auf.

- Nach Schätzungen der Umweltorganisation Wetlands International gelangen durch die Trockenlegung von Moorwäldern allein aus Indonesien jährlich rund zwei Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre: 0,6 Milliarden Tonnen aus Abbauprozessen und 1,4 Milliarden Tonnen durch Feuer. Dies entspricht etwa der Hälfte dessen, was sämtliche EU-Staaten pro Jahr emittieren.
Neben Reis wachsen auf den entwässerten und entwaldeten Mooren vor allem Ölpalmen für den Export.

Staatl. Regulierung:

CO2-Budget

Gesetz oder Verordnung gegen den Widerstand der Treibstoff- und Automobilindustrie verabschieden, die den Import von Pflanzenölen verbietet oder steuerlich benachteiligt, wenn sie wenn sie auf Flächen erzeugt werden, die durch die Trockenlegung von Mooren urbar gemacht wurden.

Biokraftstoffe, die 1. auf Flächen erzeugt werden, die durch die Trockenlegung von Mooren urbar gemacht wurden und 2. lange CO2-belastete Transportwege hinter sich haben, haben keine Chance auf dem deutschen Markt.

- Der renommierte Moorexperte Michael Succow schätzt, dass jeder dritte Liter des preiswert aus Ölpalmen produzierten Öls auf tief entwässerten Mooren angebaut wird. Bei Erträgen von drei bis fünf Tonnen Öl pro Hektar und Jahr setze der biologische Torfabbau zugleich bis zu 100 Tonnen CO2 frei. Während also eine Tonne Bioöl drei Tonnen CO2 aus Erdöl einspart, verantwortet sie zugleich sieben bis elf Tonnen CO2 aus der Moorvernichtung. Wetlands International spricht sogar von zehn bis 30 Tonnen CO2 pro Tonne Palmöl

Staatl. Regulierung:

CO2

Gesetz oder Verordnung gegen den Widerstand der Treibstoff- und Automobilindustrie verabschieden, die den Import von Pflanzenölen verbietet oder steuerlich benachteiligt, wenn sie wenn sie auf entwässerten Mooren angebaut wurden.

Biokraftstoffe, die 1. auf Flächen erzeugt werden, die durch die Trockenlegung von Mooren urbar gemacht wurden und 2. lange CO2-belastete Transportwege hinter sich haben, haben keine Chance auf dem deutschen Markt.

- Wenn die staatliche Regulierung zur Vermeidung der oben geschilderten Schäden allmählich sprürbar werden sollten, wird die Industrie auf Biokraftstoffe der zweiten Generation, den synthetischen Biosprit, ausweichen. Erste Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sind bereits im Gang. Darüber, ob die Biokraftstoffe der zweiten Generation einen deutlichen Umweltvorteil gegenüber fossilen Kraftstoffen haben, besteht keinesfalls Einigkeit. Kritisch zu bewerten ist der hohe technische Aufwand und der große Energiebedarf bei der Herstellung.

Staatl. Regulierung:

CO2-Budget

Keine Handlungsmöglichkeit, da rein betriebswirtschaftliche Kalkulationen darüber entscheiden, ob synthetische Biotreibstoffe hergestellt und auf den Markt gebracht werden

Biokraftstoffe, die mit einem Energie- bzw. CO2-Aufwand belastet sind, der ihre CO2-Einsparung zum großen Teil oder ganz neutralisiert, haben auf dem deutschen Markt keine Chance.

- Deutlich wird auch, dass Umwelt und Klima vor allem dann geholfen ist, wenn nicht eigens in Intensivkulturen angebaute Energiepflanzen Verwendung finden.

Staatl. Regulierung:

CO2-Budget (Plus)

Gesetz oder Verordnung gegen den Widerstand der Treibstoff-, Kraftwerks- und Automobilindustrie verabschieden, die den Einsatz von Energiepflanzen verbietet oder steuerlich benachteiligt, wenn sie Intensivkulturen angebaut wurden.

Energiepflanzen, die in Intensiv- und Monokulturen angebaut wurden, haben schon allein aufgrund ihrer Stickoxidbelastung1 keine Chance auf dem deutschen Markt.

1
hochwirksames Klimagas, 300 mal so wirksam wie CO2 , wird beim Einsatz von Gülle und Stickstoffdünger freigesetzt

- Bei der Bewertung geht es auch um die Frage, ob die verwendeten Pflanzen(teile) nicht sinnvoller in effizienten Kraftwerken fossile Brennstoffe zur Wärme- und Stromerzeugung ersetzen sollten.

Staatl. Regulierung:

CO2-Budget

Betriebswirtschaftlkiche Entscheidung, keine staatliche Eingriffsmöglicheit

Wenn der Einsatz dieser Pflanzen(teile) in effizienten Kraftwerken zur Wärme- und Stromerzeugung mehr CO2 einspart als ihre Verwendung zur Erzeugung von Biosprit, wird der Markt sie automatisch in die Stromerzeugung lenken

Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Gegenüberstellung ist wahrscheinlich die, dass durch eine Veränderung der Randbedingungen (Einführung eines persönlichen CO2-Budgets) eine unübersehbare Zahl von Schadwirkungen und Fehlentwicklungen von vornherein vermieden oder im Keim erstickt würden, die andernfalls durch einen schon heute nicht mehr durchschaubaren Wust von Gesetzen und Verordnungen geregelt werden müssten, wobei damit zu rechnen ist, dass diese Maßnahmen durch den Einfluss von Interessengruppen 1. so weit wie möglich verzögert und 2. abgeschwächt, verwässert und mit Ausnahme- und Sonderregeln durchlöchert und damit zum Teil weitgehend unwirksam gemacht würden.



[1] Die folgenden Textzitate enstammen vorwiegend dem Aufsatz von Torsten Mertz, Biokraftstoffe: Moorleichen im Tank, in: punktum 6/2007

[2] CO2-Budget (Plus) bezieht sich auf eine fortgeschrittene Form der CO2-Anlastung, in der nicht-energetische ökologische und soziale Schadwirkungen mit Äquivalenz-Punkten einbezogen werden.



 
 
 
 
 
 
AUSSTIEG AUS DEM CRASH