IPAT


Der Druck auf die natürliche Umwelt, der von einer menschlichen Zivilisation ausgeübt wird, läßt sich in einer einfachen, aber sehr handlichen und instruktiven Formel zusammenfassen, die auf einen Blick zeigt, daß er ein Produkt von Bevölkerungszahl, Wohlstandsniveau und Technologie (d.h. der Effizienz der Energie- und Materialnutzung) ist. Die Formel wurde ursprünglich von Paul und Anne Ehrlich (1972) vorgeschlagen und in der Folge von vielen Autoren, wie Paul Harrison (1994) und Paul Ekins (1992) aufgegriffen.

I = P * A * T
Impact = Population * Affluence * Technology

Auswirkung = Bevölkerung * materielle Güter * Technik

Die wichtigste Lehre, die diese Formel vermittelt, ist der Hinweis darauf, daß nicht das Bevölkerungswachstum (allein) und nicht der materielle Konsum (allein) die Umweltbelastung verursachen, sondern daß es sich um ein Produkt der Faktoren Bevölkerung, Konsum und Technologie handelt. Das heißt, daß sowohl Anstieg der Belastung als auch Reduzierung der Belastung von drei Faktoren bestimmt werden. Die Umweltauswirkung wird durch wachsende Bevölkerung, durch Vermehrung des Konsums (oder Anstieg des Sozialprodukts) und durch die Art und den Stand der Technik bestimmt. Ebenso kann eine Verringerung der Umweltbelastung sowohl durch eine schrumpfende Bevölkerung wie auch durch eine Reduzierung des Verbrauchs pro Kopf wie auch eine Verbesserung der Energie- und Material-Effizienz erreicht werden (und am effektivsten natürlich durch eine Kombination von zwei oder drei dieser Faktoren).

Eine schöne Illustration der Formel (gewissermaßen ex contrario) findet sich bei I.G.Simmons (1996:194):

Auch eine vorindustrielle Stadt erzeugte lästigen und schädlichen Abfall. Bäche und Flüsse wurden von den Abwässern der Gerber und Färber, der Papiermacher, Brauer und Schnapsbrenner und gelegentlich auch den Ausscheidungsprodukten der Menschen verschmutzt. Meistens lösten sich diese Produkte nach wenigen Kilometern zu nicht mehr feststellbaren Konzentrationen auf. Natürlich gab es innerhalb und außerhalb der Städte auch Abfallhaufen oder -gruben, die irgendwann einmal wieder überbaut wurden. Das Problem hielt sich jedenfalls, wie nach der IPAT-Formel zu erwarten, in Grenzen: die Städte waren um Zehnerpotenzen kleiner als die des 19. und 20. Jahrhunderts (P = 100 000 statt 10 Millionen), und der Stoffdurchsatz pro Kopf (Energieverbrauch und Konsum) war um ein Vielfaches niedriger als in den Konsumgesellschaften des 20. Jahrhunderts (A = 1 statt etwa 40). Der Faktor 4 000, der bei dieser Rechnung herauskommt, hätte natürlich längst jede Stadtbevölkerung vom Antlitz der Erde vertilgt, wenn nicht notgedrungen die verschiedensten aufwendigen Formen der Abfallbeseitigung entwickelten worden wären (Abwasser- und Kläranlagen, Müllabfuhr, geordnete Deponien, Müllverbrennungs- und Kompostierungsanlagen). Man könnte sogar ganz grob aus der IPAT-Formel schließen, daß sich die Effizienz der Abfallbeseitigungs-Technik mindestens um den Faktor 50 000 verbessert hat, denn moderne Großstädte in den Industrieländern sind heute (abgesehen von der Luftverschmutzung durch den Autoverkehr) eher sauberer als ihre mittelalterlichen Vorläufer. (Daß sie dies u.a. dadurch erreichen, daß sie ihre Schadstoffe durch aufwendige Technik in feinster Verdünnung großräumig verteilen - die pervasive effects der Industriegesellschaft, wie Herman Daly sie nennt -, steht auf einem anderen Blatt: dies ist kein Rezept, sondern nur eine konkrete Illustration der IPAT-Formel). Das Ergebnis ist nicht so albern, wie es aussieht, denn es weist darauf hin, daß T nicht nur aus Müllfahrzeugen und Müllverbrenungsanlagen und Abwasserkanälen und Kläranlagen besteht, sondern auch aus Sitten und Verhaltensweisen (man schüttet den Nachttopf nicht mehr aus dem Fenster auf die Straße), aus Vorschriften und Verboten und aus Techniken, die mit dem Abfall direkt nichts zu tun haben (Kraftfahrzeuge und Züge statt Pferdefuhrwerke und Kutschen).

Wenn man die Umweltkrise durch die Brille der IPAT-Formel betrachtet, sieht man, daß Malthus recht hatte - wenn auch aus den falschen Gründen, wie wir jetzt erkennen können und müssen. Was uns den Garaus macht, ist nicht (nur) das Wachstum der Bevölkerung (P), sondern (vor allem) das Verbrauchsniveau (A). Thomas Malthus sagte schon am Ende des 18. Jahrhunderts katastrophale Hungersnöte und Massensterben voraus, weil sich die landwirtschaftliche Produktion nur linear steigern läßt, die menschliche Bevölkerung jedoch exponentiell anwächst. Heute läuft die menschliche Art mit hoher Geschwindigkeit in eine durchaus malthusianische Klemme - daß sie ein wenig anders konstruiert ist als Malthus vorausgesagt hat, macht sie nicht weniger tödlich.


IPAT

Der Druck auf die natürliche Umwelt, der von einer menschlichen Zivilisation ausgeübt wird, läßt sich in einer einfachen, aber sehr handlichen und instruktiven Formel zusammenfassen, die auf einen Blick zeigt, daß er ein Produkt von Bevölkerungszahl, Wohlstandsniveau und Technologie (d.h. der Effizienz der Energie- und Materialnutzung) ist. Die Formel wurde ursprünglich von Paul und Anne Ehrlich (1972) vorgeschlagen und in der Folge von vielen Autoren, wie Paul Harrison (1994) und Paul Ekins (1992) aufgegriffen.

I = P * A * T
Impact = Population * Affluence * Technology

Auswirkung = Bevölkerung * materielle Güter * Technik

Die wichtigste Lehre, die diese Formel vermittelt, ist der Hinweis darauf, daß nicht das Bevölkerungswachstum (allein) und nicht der materielle Konsum (allein) die Umweltbelastung verursachen, sondern daß es sich um ein Produkt der Faktoren Bevölkerung, Konsum und Technologie handelt. Das heißt, daß sowohl Anstieg der Belastung als auch Reduzierung der Belastung von drei Faktoren bestimmt werden. Die Umweltauswirkung wird durch wachsende Bevölkerung, durch Vermehrung des Konsums (oder Anstieg des Sozialprodukts) und durch die Art und den Stand der Technik bestimmt. Ebenso kann eine Verringerung der Umweltbelastung sowohl durch eine schrumpfende Bevölkerung wie auch durch eine Reduzierung des Verbrauchs pro Kopf wie auch eine Verbesserung der Energie- und Material-Effizienz erreicht werden (und am effektivsten natürlich durch eine Kombination von zwei oder drei dieser Faktoren).

Eine schöne Illustration der Formel (gewissermaßen ex contrario) findet sich bei I.G.Simmons (1996:194):

Auch eine vorindustrielle Stadt erzeugte lästigen und schädlichen Abfall. Bäche und Flüsse wurden von den Abwässern der Gerber und Färber, der Papiermacher, Brauer und Schnapsbrenner und gelegentlich auch den Ausscheidungsprodukten der Menschen verschmutzt. Meistens lösten sich diese Produkte nach wenigen Kilometern zu nicht mehr feststellbaren Konzentrationen auf. Natürlich gab es innerhalb und außerhalb der Städte auch Abfallhaufen oder -gruben, die irgendwann einmal wieder überbaut wurden. Das Problem hielt sich jedenfalls, wie nach der IPAT-Formel zu erwarten, in Grenzen: die Städte waren um Zehnerpotenzen kleiner als die des 19. und 20. Jahrhunderts (P = 100 000 statt 10 Millionen), und der Stoffdurchsatz pro Kopf (Energieverbrauch und Konsum) war um ein Vielfaches niedriger als in den Konsumgesellschaften des 20. Jahrhunderts (A = 1 statt etwa 40). Der Faktor 4 000, der bei dieser Rechnung herauskommt, hätte natürlich längst jede Stadtbevölkerung vom Antlitz der Erde vertilgt, wenn nicht notgedrungen die verschiedensten aufwendigen Formen der Abfallbeseitigung entwickelten worden wären (Abwasser- und Kläranlagen, Müllabfuhr, geordnete Deponien, Müllverbrennungs- und Kompostierungsanlagen). Man könnte sogar ganz grob aus der IPAT-Formel schließen, daß sich die Effizienz der Abfallbeseitigungs-Technik mindestens um den Faktor 50 000 verbessert hat, denn moderne Großstädte in den Industrieländern sind heute (abgesehen von der Luftverschmutzung durch den Autoverkehr) eher sauberer als ihre mittelalterlichen Vorläufer. (Daß sie dies u.a. dadurch erreichen, daß sie ihre Schadstoffe durch aufwendige Technik in feinster Verdünnung großräumig verteilen - die pervasive effects der Industriegesellschaft, wie Herman Daly sie nennt -, steht auf einem anderen Blatt: dies ist kein Rezept, sondern nur eine konkrete Illustration der IPAT-Formel). Das Ergebnis ist nicht so albern, wie es aussieht, denn es weist darauf hin, daß T nicht nur aus Müllfahrzeugen und Müllverbrenungsanlagen und Abwasserkanälen und Kläranlagen besteht, sondern auch aus Sitten und Verhaltensweisen (man schüttet den Nachttopf nicht mehr aus dem Fenster auf die Straße), aus Vorschriften und Verboten und aus Techniken, die mit dem Abfall direkt nichts zu tun haben (Kraftfahrzeuge und Züge statt Pferdefuhrwerke und Kutschen).

Wenn man die Umweltkrise durch die Brille der IPAT-Formel betrachtet, sieht man, daß Malthus recht hatte - wenn auch aus den falschen Gründen, wie wir jetzt erkennen können und müssen. Was uns den Garaus macht, ist nicht (nur) das Wachstum der Bevölkerung (P), sondern (vor allem) das Verbrauchsniveau (A). Thomas Malthus sagte schon am Ende des 18. Jahrhunderts katastrophale Hungersnöte und Massensterben voraus, weil sich die landwirtschaftliche Produktion nur linear steigern läßt, die menschliche Bevölkerung jedoch exponentiell anwächst. Heute läuft die menschliche Art mit hoher Geschwindigkeit in eine durchaus malthusianische Klemme - daß sie ein wenig anders konstruiert ist als Malthus vorausgesagt hat, macht sie nicht weniger tödlich.




 
 
 
 
 
 
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