Kohlenstoffkreislauf

Kohlenstoffkreislauf


Unter den geophysikalischen Kreisläufen, die das Leben auf der Erde ermöglichen, ist der Kohlenstoff-Kreislauf einer der größten. Zwischen den irdischen Kohlenstoff-Reservoiren (Pflanzen 560 Mil­liarden Tonnen, Boden 1500, Atmosphäre 735, Ozeane 36000) spielt sich ein Austausch in folgenden Größenordnungen ab:

Assimilation-Photosynthese 100 Milliarden t (Aufnahme)
Pflanzenatmung 50 Milliarden t (Abgabe)
Bodenatmung 50 Milliarden t (Abgabe)
Diffusion von Atmosphäre in Wasser 100 Milliarden t (Aufnahme)
Diffusion von Wasser in Atmosphäre 100 Milliarden t (Abgabe)




Kohlenstoff-Kreislauf in der Biosphäre
(nach Scientific American, April 1989)




In dieser schematischen Darstellung ist der zusätzliche Beitrag der menschlichen Zivilisation berücksichtigt, nämlich die 5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff aus Verkehr u. Industrie und die 2 Milliarden Tonnen aus der Abholzung tropischer Wälder. Bei der Bilanzierung stellt sich nun heraus, daß von diesen zusätzlichen 7 Milliarden Tonnen Kohlen­stoff nur 3 Milliarden Tonnen jährlich in der Atmosphäre akkumulieren; der "Fehlbetrag" von 3 bis 4 Milliarden Tonnen wird, soweit bisher be­kannt, zusätzlich von den Ozeanen absorbiert.

Kohlenstoffkreislauf und Beitrag der menschlichen Zivilisation

200 mrd t im Umlauf (Abgabe und Aufnahme im
Gleichgewicht)

Anthropogener Beitrag:

+ 5 mrd t aus Verkehr u. Industrie
+ 2 mrd t aus Rodung der Tropenwälder
- 4 mrd t zusätzliche C-Diffusion in die Ozeane
---------------------------------------------------------
+ 3 mrd t Jährlicher Netto-Kohlenstoff-Eintrag in
die Atmosphäre durch die menschliche
Zivilisation

Wenn wir vorsichtshalber von der zusätzlichen Aufnahme von drei Milliarden Tonnen Kohlenstoff durch die Ozeane ausgehen, dann entspricht diese Menge ca. 11 Milliarden Tonnen CO2, die uns jährlich von der Natur in Gestalt der Atmosphäre und Hydrosphäre abgenommen werden, und die damit ein "Budget" darstellen, mit dem die menschliche Zivilisation guten Gewissens, nämlich ohne Gefähr­dung der Lebensgrundlagen wirtschaften kann. (Diese nachhaltig verfügbare Kohlenstoffsenke wird z.B. von der amerikanischen Umweltbehörde EPA mit zwei Milliarden Tonnen Kohlenstoff angegeben (Q90), die Enquêtekommission des Bundestages und internationale Organisationen wie die IPCC stützen sich auf ähnliche Zahlen, s. Q91).

Wenn wir davon ausgehen, daß eine nachhaltige Wirtschaft auf Dauer nur auf der Grundlage einer gerechten Verteilung möglich ist, er­rechnet sich aus diesem Kontingent bei einer Weltbevölkerung von sechs Milliarden Menschen ein persönliches Budget von rund zwei Tonnen CO2 pro Kopf und pro Jahr.

Der "Verbrauch" (d.h. die Emission) von CO2 liegt heute in den In­dustrieländern bei etwa 12 Tonnen pro Einwohner, in den USA bei 23 Tonnen, in den meisten Ländern des Südens unter, z.T. weit unter zwei Ton­nen pro Jahr.

Das vom Menschen ausgeatmete CO2 braucht in der Rechnung nicht berücksichtigt zu werden, es ist "neutral", weil es praktisch einen geschlossenen Kreislauf bildet: Das CO2, das ausgeatmet wird, entspricht dem, was vorher mit der Nahrung aufgenommen wurde, und diese Menge wurde vorher durch die Pflanzen der Atmosphäre entzogen.



 
 
 
 
 
 
AUSSTIEG AUS DEM CRASH